Facharztweiterbildung erfordert einen regulären Arbeitsvertrag

Vorsicht bei Hospitations-, Gastarzt- und Stipendiatentätigkeiten!

Hospitations-, Gastarzt- oder Stipendienverträge bieten ausländischen Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, sich auf freiwilliger Basis Kenntnisse anzueignen. Sollen diese Zeiten zusätzlich auf eine ärztliche Weiterbildung angerechnet werden, müssen aber mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

Kennzeichnend für die ärztliche Weiterbildung nach der Weiterbildungsordnung (§ 4 Abs. 1 WBO) ist die praktische Anwendung ärztlicher Kenntnisse in der Patientenversorgung nach einer abgeschlossenen ärztlichen Ausbildung und zwar als hauptberufliche Tätigkeit (Teilzeit auf Antrag möglich) mit einer angemessenen Vergütung unter verantwortlicher Anleitung eines ermächtigten Weiterbildungsleiters.

Hospitationen können nicht als Weiterbildungszeit anerkannt werden. Eine Hospitation bedeutet, dass der Arzt „zuschaut“. Meist liegt keine Berufserlaubnis vor. Eine eigene Behandlung des Patienten ist damit ausgeschlossen. Sollte der Arzt entgegen dem Vertragstext (mit Berufserlaubnis) regelmäßig in der Patientenversorgung eingesetzt worden sein, so kann er eine angemessene Entlohnung seiner Tätigkeit auch im Nachhinein gerichtlich geltend machen. Im Regelfall kann es sich dann aber trotzdem nicht um eine geregelte Weiterbildung handeln.

Gastärzte bzw. Stipendiaten werden immer mit einer Berufserlaubnis oder einer Approbation tätig.

Bei Gastarzt- bzw. Stipendiatenverträgen ist eine Anrechnung auf die Weiterbildung grundsätzlich möglich, jedoch muss im Vertrag der Zweck der ärztlichen Weiterbildung ausdrücklich niedergelegt sein und die Tätigkeit muss angemessen vergütet werden.
Die Voraussetzung angemessener Vergütung ergibt sich aus § 4 Abs. 1 Satz 3 der Weiterbildungsordnung in Verbindung mit § 19 Abs. 3 der Berufsordnung der Landesärztekammer Thüringen. Eine Bezahlung, die in der Summe (z.B. Stipendium zuzüglich Gehalt der Klink) wesentlich unter dem für das Krankenhaus geltenden Tarif für Assistenzärzte liegt, ist nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung sittenwidrig und begründet eventuell Schadensersatzansprüche. Eine Anerkennung als Weiterbildungszeit kann in einem solchen Fall nicht erfolgen!

Die zuständigen Weiterbildungsermächtigten haben ihrerseits gegenüber den Kollegen eine gesteigerte Fürsorgepflicht. Kennt und duldet der zuständige Weiterbildungsleiter eine sittenwidrig niedrige Vergütung des Gastarztes/Stipendiaten, kann ihm im Einzelfall die Ermächtigung zur Weiterbildung entzogen werden. Dasselbe gilt auch für die Zulassung der betreffenden Einrichtung als Weiterbildungsstätte.

Vor Entscheidung über die Anerkennung als Weiterbildungszeit prüft die Landesärztekammer Thüringen immer zunächst die vertraglichen Regelungen zur Weiterbildung im Einzelfall. Ausländische Kollegen sollten sich daher bereits bei Beginn ihrer Tätigkeit in Thüringen durch die zuständigen Mitarbeiter beraten lassen.


Bitte beachten Sie auch das nachfolgende Merkblatt.



Landesärztekammer Thüringen http://www.laek-thueringen.de
Druckdatum: 09/22/2017