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Ärzteblatt Thüringen

Ambulante fachärztliche Versorgung – quo vadis?

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 09/09/2009 04:54:53 PM
Ambulante fachärztliche Versorgung – quo vadis?
Zu lange war es still um die fachärztliche ambulante Versorgung. Die hausärztliche Versorgung stand im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, mit Recht, wird doch allerorts die hausärztliche Versorgung mehr und mehr zum Engpaß. Dabei blieb unbeachtet, daß auch die flächendeckende ambulante fachärztliche Versorgung zum Problem wird. Die demographische Entwicklung der Bevölkerung macht auch vor den Fachärzten nicht halt.
„ …Wer eine qualifizierte Versorgung chronisch Kranker will, braucht dazu auch den ambulant tätigen Facharzt …“, hieß es auf dem Deutschen Fachärztetag in München aus dem Mund des KBV-Vorsitzenden Dr. Köhler.
Versorgung von Patienten ist dabei aus zwei Blickwinkeln zu betrachten. Zuerst aus Patientensicht. Der Patient möchte qualifizierte, arztgebundene Versorgung ohne Konkurrenz etwaiger Versorgungsebenen. Aus Sicht der Ärzte, insbesondere der niedergelassenen Fachärzte, bedeutet das: Überwinden der Sektorgrenzen mit gemeinsamer Bedarfsplanung, gemeinsame Qualitätssicherung, Therapiefreiheit unter Beibehaltung des Grundsatzes ambulant vor stationär, dem sich viele hochqualifizierte Fachärzte Mitte der 1990er Jahre gestellt haben, sowie freier Zugang zum Facharzt beziehungsweise zu den Versorgungsebenen. Eindeutige Regelungen für die Zusammenarbeit von Fachärzten in Niederlassung und Klinik sind Voraussetzungen für eine patientenorientierte und gesundheitsökonomisch sinnvolle Versorgung. Eine kritiklose Fortführung des § 116b ohne derartige Regularien kann nicht hingenommen werden.



Wichtige Aufgaben bleiben die Verbesserung der Attraktivität des Arztberufes, eine Angemessenheit zwischen Arbeit und Freizeit, Planungssicherheit und die Schaffung kollegialer Versorgungsstrukturen.
In Deutschland werden Jahr für Jahr junge Ärzte ausgebildet, gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise verbindet sich hiermit eine nicht zu vernachlässigende finanzielle Größe. Diese jungen Kollegen wenden sich oft anderen beruflichen Aufgaben zu und kommen nicht dort an, wo sie gebraucht werden – beim Patienten. Wir müssen uns fragen, woran das liegt. Liegt es an unserer Klagsamkeit, an der Bürokratie, am Berufsbild?
Heraufbeschworen wird auch die „Feminisierung des Arztberufes“, nach meiner Auffassung ein Unwort. 70 Prozent aller Absolventen des Medizinstudiums sind Frauen. Das ist gut so. Frauen sind zumeist fleißig, gut strukturierend, geschickt und sozial kompetent. Bemühen wir uns doch um diese Kolleginnen und überzeugen sie von den Vorzügen, auch in bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der freiberuflichen Tätigkeit in einer Vertragsarztpraxis. Voraussetzung ist dabei wirtschaftliche Planungssicherheit. Es liegt nun an uns als Wählern und an uns als Kollegen, diese Voraussetzungen mit zu gestalten.

Dr. med. Ellen Lundershausen
Vizepräsidentin der Landesärztekammer Thüringen