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Ärzteblatt Thüringen

Arbeitsgruppe "Gewalt gegen Kinder"

Mitglieder der Arbeitsgruppe „Gewalt gegen Kinder“ der LÄK Thüringen

Vorsitz
Dr. med. Carsten Wurst
Mitglieder
Dr. paed. Rüdiger Bürgel, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Erfurt
Univ.-Prof. Dr. med. Felicitas Eckoldt-Wolke, Fachärztin für Kinderchirurgie, Jena
PD Dr. med. Roland Eulitz, Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Dingelstädt
Andrea Kästner, Facharzt Kinder- und Jugendmedizin, Saalfeld
Prof. Dr. med. Else-Gita Mall, Fachärztin für Rechtsmedizin, Jena
Raphaela Oetter, TAKS-Koordinatorin, Soziologin, Jena
Dr. med. Martin Schumm, Stadtroda
Dr. med. Carsten Wurst, Facharzt Kinder- und Jugendmedizin, Suhl
Dipl.-Med. Karin Thrum, Fachärztin Kinder- und Jugendmedizin, Unterpörlitz
Geschäftsführung
Dr. med. Christiane Becker, Jena


Publikationen und Vorträge der Arbeitsgruppe


Aufgaben und Ziele der Arbeitsgruppe „Gewalt gegen Kinder“

Die Thematik „Gewalt gegen Kinder“ hat in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit vermehrt an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile vergeht kaum eine Woche ohne Mitteilungen über Vernachlässigung, Mißhandlung, Mißbrauch oder gar Tötung von Kindern in Deutschland, gerade auch hier in Thüringen. „Deshalb ist es so wichtig“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises „Gewalt gegen Kinder“, Dr. Carsten Wurst, der hauptberuflich Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums in Suhl ist, „daß alle Fachkräfte und Berufsgruppen, die mit Kindern in irgendeiner Weise zu tun haben, für das Problem Gewalt sensibilisiert werden“.

Diese Netzwerkarbeit gehört folglich mit zu den Hauptaufgabengebieten des Arbeitskreises, der 1995 nach einer bundesweiten Initiative von Privatdozent Dr. Roland Eulitz, Kinderarzt und Kinder- und Jugendpsychiater aus Dingelstädt im Eichsfeld, gegründet und weit über zehn Jahre geleitet wurde. Von Beginn an war die Arbeitsgruppe interdisziplinär aus Ärzten verschiedener Fachgruppen und beruflicher Einbindungen besetzt. Wichtig, so Carsten Wurst, ist der Kontakt zur Rechtsmedizin der Universität Jena und damit auch zur Thüringer Ambulanz für Kinderschutz (TAKS).

In den regelmäßigen vier bis fünfmal pro Jahr stattfindenden Sitzungen, geht es aber nicht nur um das Zusammenführen und den Austausch zwischen den verschiedenen Personen und Institutionen wie z. B. das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, die um das Kindeswohl bemüht sind, sondern auch darum, den Kolleginnen und Kollegen unmittelbar etwas in die Hand zu geben, um Mißhandlungen zu erkennen und zu wissen, wie sie vorgehen und wen sie ansprechen können, wenn ein solcher schwerwiegender Verdacht besteht. Mittel dazu sind nicht nur Fortbildungsveranstaltungen, die vom Arbeitskreis thüringenweit organisiert werden, sondern auch das jüngste Produkt der Bemühungen des Arbeitskreises: Der überarbeitete Thüringer Leitfaden „Gewalt gegen Kinder“, an dem die Gruppe um Carsten Wurst etwa zwei Jahre gearbeitet hat. Eine wichtige Aufgabe, wenn man sich vergegenwärtigt, daß etwa fünf Prozent aller Kinder in Deutschland in sogenannten Hochrisikofamilien aufwachsen, in denen die Gefahr für Vernachlässigung und Mißhandlung sowie ungenügende Entwicklungsbedingungen besonders hoch seien, so Carsten Wurst. Auf Thüringen bezogen wären dies etwa 850 Kinder je Geburtsjahrgang – eine alarmierende Zahl. Dabei kann die Arbeit der Gruppe Ursachen für Gewalt letztlich nicht beseitigen: Aber indem sie hilft, relevante Personen zu befähigen, Gewaltanwendungen zu erkennen und damit zu behindern, nutzt der Arbeitskreis nicht nur der unmittelbar geschützten Person, sondern trägt auch langfristig zur Prävention von Gewalt bei. Denn eigene Gewalterfahrungen münden leider nur zu häufig in Gewaltanwendungen.

Aktuelles


16.10.2013

Frühe Hilfen – auch eine ärztliche Aufgabe

Mit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes am 1. Januar 2012 wurde die Etablierung regionaler Netzwerke früher Hilfen gefordert. Damit soll eine bessere Verzahnung von Angeboten der Gesundheits- und Jugendhilfe erreicht werden. Der Aufbau dieser Netzwerke wird in Thüringen durch Landeskoordinatoren gesteuert und unterstützt. Für uns Ärzte wird es wichtig sein, sich aktiv in diese Netzwerke einzubringen. Insbesondere Frauen-, Kinder- und Hausärzte sind häufig erster Ansprechpartner für Hilfesuchende und sollten die Angebote in ihrem lokalen Netzwerk kennen. Ich möchte alle Kolleginnen und Kollegen ermuntern, die folgenden Angebote zur Information zu nutzen.
Dr. Carsten Wurst
AG „Gewalt gegen Kinder
an der LÄK Thüringen


Netzwerke für den präventiven Kinderschutz – Frühe Hilfen in Thüringen

Frühe Hilfen sind leicht zugängliche Hilfsangebote für Schwangere, werdende Väter und Eltern mit Kindern bis drei Jahren. Sie wollen diese bei der Übernahme beziehungsweise Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung unterstützen, Belastungssituationen der Familien zu überwinden und Risiken zu vermeiden helfen.

Säuglinge und Kleinkinder sind besonders verletzlich. Zudem sind die ersten Lebensmonate von herausragender Bedeutung für die gesamte weitere Entwicklung. Deshalb nehmen die Frühen Hilfen diese frühe Kindheitsphase besonders in den Blick. Günstigstenfalls erreicht die Unterstützung belastete Familien schon während der Schwangerschaft.

Belastungsfaktoren sind dabei unabhängig vom Einkommen und Bildungsstand der Eltern. Der Ansatz hierbei ist präventiv und multiprofessionell: Alle Kinder sollen von Anfang an gute Startbedingungen bekommen.

Grundlage für die Frühen Hilfen ist das zu Beginn des Jahres 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz. Dieses zielt darauf ab, die Entwicklungsbedingungen und Zukunftschancen für Kinder deutlich zu verbessern und stärkt dabei Prävention und Intervention gleichermaßen.

In den Frühen Hilfen wird neben dem Auf- und Ausbau primär- und sekundärpräventiver Angebote der Fokus auf koordinierte Zusammenarbeit der lokalen Hilfesysteme gelegt. Durch die Schaffung verbindlicher Kooperationsstrukturen vor Ort sollen die Erfahrungen und Ressourcen der Fachkräfte aus verschiedenen Hilfesystemen auf lokaler Ebene gebündelt und für die Familien passgenau eingesetzt werden. Dabei spielt die Vernetzung von Jugendhilfe und Gesundheitswesen eine herausragende Rolle. Zudem wird dem Einsatz von Familienhebammen im Rahmen der Frühen Hilfen eine besondere Bedeutung beigemessen und auch ehrenamtliche Strukturen sind einzubeziehen.

Gerade Ärztinnen und Ärzte und andere medizinische Fachkräfte sind während der Schwangerschaft und nach der Geburt ganz normale Anlaufstellen für Eltern und haben somit einen niedrigschwelligen, weil selbstverständlichen Zugang zu Familien mit kleinen Kindern. Eine Verzahnung mit den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe soll die Zugänglichkeit und Erreichbarkeit von Informationen und Angeboten mit kurzen Wegen sicherstellen.

Als Ausgangspunkt für eine gelingende Kooperation wurden in allen Thüringer Kommunen Koordinierungsstellen für die örtlichen Netzwerke Früher Hilfen eingerichtet. Als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort stehen jeweils eine Netzwerkkoordinatorin oder ein Netzwerkkoordinator zur Verfügung. Deren Aufgabe ist es, Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Hilfesysteme an einen Tisch zu bringen. Sie sollen die in der Region vorhandenen Hilfe- und Unterstützungsangebote als Ressource bekannt machen und in Kooperation mit den lokalen Partnerinnen und Partnern die Übergänge zwischen einzelnen Hilfeangeboten gestalten. Eine enge Verzahnung und gezielte Vermittlung soll letztlich dafür sorgen, dass Hilfeleistungen und Unterstützungsangebote zuverlässiger dort ankommen, wo sie gebraucht werden: bei werdenden Müttern und Vätern, Eltern und Kindern, die sich in Belastungssituationen befinden.

Darüber hinaus fördern die Netzwerkkoordinatorinnen und Netzwerkkoordinatoren den fachlichen Austausch der einzelnen Akteure. Dazu gehört, den gemeinsamen Fortbildungsbedarf der Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner zu erheben (z. B. Umgang mit datenschutzrechtlichen Bestimmungen) und für die örtlichen Fachkräfte multiprofessionelle Fortbildungen zu organisieren.

Die Landesärztekammer Thüringens, die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen und das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit unterstützen den Aufbau dieser lokalen Netzwerke. Wir laden Sie herzlich ein, sich an diesem Auf- bzw. Ausbau zu beteiligen. Vielleicht sind Sie ja von Ihrer Netzwerkkoordinatorin oder ihrem Netzwerkkoordinator vor Ort bereits angesprochen worden.

Die Kontaktdaten der lokalen Netzwerkkoordinatoren finden Sie hier: www.fruehehilfen-thueringen.de.

Sie können Anfragen auch an die Landeskoordination:

Frau Birgit Höhlein (birgit.hoehlein@tmsfg.thueringen.de) und
Herrn Matthias Loew (matthias.loew@tmsfg.thueringen.de)

richten. Wir vermitteln Sie gern weiter.

Informationen


Unter diesen Link finden Sie Informationen zum Leitfaden.

Informationen zum

  • Themenheft zur Problematik "Gewalt" - Ärzteblatt 4/2006 sowie der
  • Fortbildungsveranstaltung "Gewalt gegen Kinder" vom 22. Juni 2011

finden Sie in unserer Serviceleiste unter Downloads.

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Leitfaden Gewalt gegen Kinder - Stand 2015.pdf1233 kB