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Ärzteblatt Thüringen

Editorial (Ärzteblatt 1/2009)

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 01/06/2009 02:28:32 PM

Schlaglichter 2009


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das neue Jahr 2009 liegt vor uns wie eine leere Seite, um mit unseren Erwartungen, Wünschen und Taten gefüllt zu werden. Die Leere ist jedoch nur scheinbar, einige große Überschriften wurden in den letzten Monaten des alten Jahres bereits in das neue Jahresbuch geschrieben: 2009 das Jahr der Demokratie! Es paßt gut, daß 2009 Landtags -und Bundestagswahlen stattfinden. Und wer könnte es vergessen: Wir befinden uns im 20. Jahr nach der friedlichen Revolution im Osten Deutschlands. 2009, das Jahr der schlechten Nachrichten, hieß es bereits im späten Herbst vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und Rezession in Deutschland. 2009, das Jahr der Honorarsteigerung für die niedergelassenen Kollegen – und das in Thüringen um insgesamt etwa 20 Prozent –, 2009, das Jahr der Förderung der ärztlichen Weiterbildung.
Das sind Schlaglichter, über die es sich nachzudenken lohnt, weil sie unsere ärztliche Tätigkeit unmittelbar beeinflussen werden und weit in die Zukunft reichen. Beginnen wir mit der Honorarreform im ambulanten Bereich, die zu einer grundlegenden Veränderung des bisherigen Systems führt – das Morbiditätsrisiko geht auf die Kassen über, der Honorartopf wird auf Grundlage des Gesundheitsfonds gefüllt und in Thüringen mit ca. 94 Prozent annähernd das „Westniveau“ erreicht. Viele Skeptiker meinen, von dem Geld käme sowieso nichts in den einzelnen Praxen an. Da die Honorierung im ambulanten Gesundheitswesen von der Grundlohnsummenentwicklung abgekoppelt worden ist, halte ich es jedoch für glaubhaft und auch unbedingt erforderlich, daß die Honorare steigen werden. Sehr viel hängt davon ab: Wir müssen die Praxen wieder auf betriebswirtschaftlich feste Füße stellen und investieren. Wir müssen die Helferinnen tarifgerecht entlohnen und nicht zuletzt Perspektiven für die jungen Kollegen schaffen, die sich niederlassen wollen.
Eine dauerhaft wirksame Lösung des Finanzproblems der Krankenkassen ist auch mit dem Gesundheitsfonds noch nicht gefunden worden. Deshalb werden die begrenzten Mittel den steigenden Anforderungen im Gesundheitssystem auch künftig angepaßt werden müssen. In dieser Situation ist es für uns Ärzte wichtig, einig zu sein und den Politikern geschlossen gegenüberzustehen. Es gibt Werte, die uns verbinden, und das ist ein hohes Maß an Selbstbestimmung in einem solidarischen Gesundheitswesen, Freiberuflichkeit mit Niederlassungsfreiheit, Freiheit in der Berufsausübung, Therapiefreiheit und ein ungestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis. Und das alles wird durch eine weitgehende Selbstverwaltung geregelt. Nur eine in Grundsatzfragen einige Ärzteschaft stellt eine Macht dar, an der die Politik nicht vorbei kann.
Eine Hauptaufgabe der Gremien der Selbstverwaltung, aber auch aller Lehr- und Weiterbildungspraxen, der Krankenhäuser und nicht zuletzt der Universität wird es sein, Ideen zu entwickeln, dem drohenden Ärztemangel zu begegnen. Hier steht zunächst an vorderster Front der Hausärztemangel, der bereits in einigen Gebieten Thüringens spürbar ist und sich in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. Ein Ansatzpunkt für Verbesserungen ist die Weiterbildung, so hat der Ulmer Ärztetag 2008 ein Handlungskonzept zur Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin beschlossen. Auch die Landesärztekammer Thüringen hat sich für dieses Jahr diese anspruchsvolle Aufgabe – Stichwort Verbundweiterbildung – auf die Fahnen geschrieben.






Mit der Gründung des Institutes für Allgemeinmedizin an der Universität Jena wurde im vergangenen Jahr eine gute Basis in der Ausbildung geschaffen, Medizinstudenten frühzeitig an das Fach heranzuführen. Neu ist, daß niedergelassene Hausärzte aus Lehrpraxen bei der Erarbeitung des Lernzielkatalogs für das Wahlfach Allgemeinmedizin im PJ beteiligt werden. Das schafft Praxisnähe für die Studenten.
Optimistisch sollten uns die Ergebnisse einer Umfrage stimmen, die ein Jenaer Medizinstudent im vergangenen Jahr unter seinen Kommilitonen durchgeführt hat. 100 Prozent der Studierenden wollen den ärztlichen Beruf tatsächlich ausüben, 21 Prozent wollen die Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin, weitere 21 Prozent Innere, 15 Prozent Pädiatrie wählen und sich später niederlassen. 33 Prozent der jungen Ärzte möchten in Thüringen bleiben, 46 Prozent in Deutschland. Wesentliche Gründe (und Voraussetzungen!), um in Thüringen zu bleiben, sind für unsere künftigen Kollegen die Angleichung der Honorare, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Kinderbetreuung) und die Heimatverbundenheit.
Dagegen hat eine Online-Befragung von ca. 3000 Studenten in Deutschland, initiiert von der Ruhruniversität Bochum, ergeben, daß etwa 70 Prozent der Medizinstudenten ins Ausland gehen wollen. Auch die Jenenser Studenten wollen im Ausland Erfahrungen sammeln, aber in einem bestimmten Abschnitt ihres Lebens werden sie zu einem Teil in ihre Heimat zurückkehren wollen.
Deshalb sind wir aufgerufen, die Bedingungen für eine reibungslose, qualitativ hochwertige und ausreichend bezahlte Weiterbildung zu schaffen. Gute Ansatzpunkte hierfür gibt es bereits in Thüringen mit dem Abschluß von dreiseitigen Verträgen zwischen Landesärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung und einzelnen Krankenhäusern zur sogenannten Blockweiterbildung für die Allgemeinmedizin. In den Kliniken ist eine entsprechende Anbindung von Praxen mit Weiterbildungsermächtigung in der Region vorgesehen. Hier werden wir 2009 ansetzen und beginnen, einen Weiterbildungsverbund zu schaffen, um die Weiterbildung in Allgemeinmedizin attraktiver, überschaubarer und qualitativ noch besser zu gestalten. Mit einem Mentor-System sollen junge Kollegen bei der Weiterbildung unterstützt werden und von Erfahrungen älterer Kollegen profitieren können. Die Angleichung der Bezahlung der Weiterbildungsassistenten in den Hausarztpraxen an die im stationären Bereich ist dabei ein weiteres wesentliches Ziel.
Ich denke, für das neue Jahr stehen uns viele interessante Aufgaben bevor, die wir mit Kreativität und Idealismus meistern können. Wir haben Grund, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen, weil wir einen wunderbaren Beruf haben und uns in vielfältiger Weise zum Wohle unserer Patienten einsetzen und unseren Nachwuchs fördern können. Voraussetzung ist allerdings, daß es uns in jeder Hinsicht selbst gutgeht. Dafür müssen wir gemeinsam sorgen.
Ich wünsche Ihnen allen, liebe Kolleginnen und Kollegen, für das Jahr 2009 Gesundheit, Schaffenskraft und Freude an der Arbeit.


Dr. med. Annette Rommel
Vorstandsmitglied der Landesärztekammer