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Ärzteblatt Thüringen

Editorial des Präsidenten (Ärzteblatt 11/2008)

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 11/07/2008 10:20:12 AM

Ärzteversorgung – Rente mit 67 ein Muß!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei vielen wird die Überschrift gleich Protest hervorrufen. Aber Sie können dessen versichert sein, daß wir eine andere Lösung, wenn es sie gäbe, bevorzugen würden! Andererseits kenne ich auch viele, die durchaus gern länger arbeiten würden als die übliche Zeit bis zum Abschluß des 65. Lebensjahres.
Nachdem in der Herbst-Kammerversammlung, deren Ergebnisse im Oktoberheft des Ärzteblattes berichtet worden sind, die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für die Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre knapp verfehlt worden ist, wird in diesem Heft nochmals ausführlich über die Ursachen und Auswirkungen der notwendigen Anhebung des Rentenalters informiert.
Mich hat die ablehnende Haltung in der Kammerversammlung (wenn auch letztlich nur zwei Stimmen für das Ja zur Rente mit 67 fehlten) überrascht. Ich kannte aus meiner Umgebung eher das Phänomen, daß Kolleginnen und Kollegen gern länger gearbeitet haben. Auch in der Niederlassung ist dies ja nicht unüblich. Ich sehe aber ein, daß spätestens dann, wenn aus der Möglichkeit eine Pflicht wird, dies die Sichtweisen verändern kann. Schließlich wird man künftig dann auch nicht mehr mit 60, sondern mit 62 mit den entsprechenden Abschlägen früher aufhören können! Allerdings gibt es lange Übergangszeiten, und erst ab dem Geburtsjahrgang 1964 würde der Fall „Rente mit 67“ eintreten.
Der Souverän – unser Kammerparlament – hat die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre abgelehnt. Eine Entscheidung, der wir uns einerseits beugen müssen, andererseits hat sie aus Sicht des Vorstandes der Landesärztekammer derart verheerende Auswirkungen, daß man darüber noch mal diskutieren und neu abstimmen muß. Deshalb hat auch der Vorstand erstmalig in der Geschichte der Ärztekammer Thüringen die Einberufung einer Außerordentlichen Kammerversammlung beschlossen. Diese wird am Mittwoch, 10. Dezember 2008, 15:00 Uhr in der Landesärztekammer stattfinden und nur diesen Tagesordnungspunkt haben.
Die ablehnenden Argumente aus dem Kreis der Kammerparlamentarier (vgl. Oktober-Ärzteblatt, S. 545ff.) kann ich nachvollziehen, und sie sind selbstverständlich bedenkenswert. Dennoch, wenn wir weiterhin eine gut fundierte und gut funktionierende Ärzteversorgung unser eigen nennen wollen, dann müssen wir in den sauren Apfel beißen und das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 anheben.





Triftige Gründe gibt es zahlreiche:
  1. Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 ist der zunehmenden Längerlebigkeit geschuldet, die zur Notwendigkeit einer länger andauernden Rentenzahlung, eigentlich ein erfreulicher Umstand, führt. Bei Beibehaltung der jetzigen Regelung Rente mit 65 besteht eine Deckungslücke im Haushalt der Ärzteversorgung von 70 – 100 Mio €.
  2. Die jetzige Entscheidung führt dazu, daß wir auf lange Sicht weder die Renten der Ärzteruheständler anheben noch die Anwartschaften der Mitglieder dynamisieren können.
  3. Die Ärzteversorgung ist zwar gut aufgestellt, aber auch hier können die Erträge die o. g. Deckungslücke auch auf lange Sicht nicht schließen. Dann könnten sogar Rentenkürzungen drohen.
  4. Darüber hinaus stehen die Versorgungswerke permanent unter kritischer Beobachtung der Politiker. Angesichts der angespannten Situation der Rentenkassen sind begehrliche Blicke auf scheinbar gut zahlende Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke schon häufiger politikerseits geworfen worden. Diesen Begehrlichkeiten sollten wir keine Steilvorlage bieten und uns der gesetzlichen Regelung – Rente mit 67 – anpassen. Übrigens nicht ohne Grund werden auch in den ärztlichen Versorgungswerken anderer Bundesländer gerade ähnliche Entscheidungen getroffen, so in Nordrhein, Sachsen, Brandenburg, Baden-Württemberg, Hamburg, Westfalen-Lippe und Berlin.

Deshalb rufe ich alle Mitglieder der Kammerversammlung auf, zur Außerordentlichen Kammerversammlung am 10. Dezember zu kommen und zuvor auch mit den Kolleginnen und Kollegen aus ihren Wahlkreisen das Problem zu diskutieren, damit wir dann auf noch breiterer Basis gut fundiert eine Entscheidung treffen können.
Aus Sicht des Vorstandes der Landesärztekammer gibt es allerdings keine Wahl, die Rente mit 67 ist ein Muß!
In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihr
Dr. Mathias Wesser
Präsident der Landesärztekammer