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Ärzteblatt Thüringen

Einstandspflicht des Arztes für Folgen des Zweiteingriffs

Wird ein Zweiteingriff erforderlich, weil dem vorbehandelnden Arzt bei dem Ersteingriff ein Fehler unterlaufen ist, haftet der Erstbehandelnde für die Folgen des Zweiteingriffs.

Bei einer Patientin wurden während einer Koloskopie ein 5 cm großer Tumor und ein kleiner Polyp festgestellt. Nachdem der Tumor als invasives, mäßig differenziertes Adenokarzimon identifiziert war, fand der operative Eingriff statt. Hierbei entfernte der Operateur jedoch nur die Basis des bereits abgetragenen Polypen, nicht jedoch den Tumor. Als die Patientin davon erfuhr, entschied sie sich, die nachfolgende OP in einer anderen Klinik vornehmen zu lassen. Dort wurde der betreffende Darmabschnitt entfernt und ein künstlicher Darmausgang gelegt. Später kam es zu Wundheilungsstörungen und einer Anastomoseninsuffizienz.

Das Gericht urteilte, dass die erstbehandelnde Klinik und der Operateur, dem der Fehler unterlaufen war, für die Folgen der Nachoperation einzustehen haben. Zur Begründung führt das Gericht aus, dass sich die Klägerin wegen der fehlerhaften Behandlung einem zusätzlichen Eingriff unterziehen musste, der ihr bei korrektem medizinischem Vorgehen erspart geblieben wäre. Auch die Folgeschäden wären in ihrer konkreten Ausprägung ohne den nochmals notwendigen Eingriff nicht eingetreten. Die Schäden der Patientin sind somit kausal auf den Fehler des Erstbehandelnden zurückzuführen, der infolgedessen auch dafür einstehen muss.

BGH, Urteil vom 22.05.2012, Az.: VI ZR 157/11