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Ärzteblatt Thüringen

Masernerkrankungen bei Asylbewerbern aus dem Nordkaukasus

Aus aktuellem Anlass informiert das Thüringer Gesundheitsministerium über Masernfälle bei Asylsuchenden und verweist auf einen Artikel im Epidemiologischen Bulletin Nr. 31 des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 8. August 2016, in dem es heißt: „Seit der 20. Meldewoche im Mai 2016 ist die Masernfallzahl unter Asylsuchenden insgesamt [...] deutlich angestiegen. So gingen ab dieser Woche Daten von insgesamt 53 Masernfällen ein, die in Einrichtungen für Asylsuchende aufgetreten waren (Stand: 20. Juli 2016). Auffällig dabei ist, dass diese Masernfälle in erster Linie in Zusammenhang mit Asylsuchenden aus Tschetschenien auftraten, die etwa ab Mitte Mai nach Deutschland eingereist waren […]. Auch bei Personen aus anderen Republiken des Nordkaukasus (Dagestan, Inguschetien) könnten vermehrt Masern auftreten.

Ein erster Masernfall in Thüringen bei einem gerade angekommenen 7-jährigen Mädchen aus Tschetschenien wurde bei Vorstellung in der Notaufnahme als solcher anfangs nicht erkannt und auch nach erneuter Vorstellung und Hospitalisierung erst nach Vorliegen der labordiagnostischen Bestätigung an das Gesundheitsamt gemeldet. Inzwischen sind drei weitere Erkrankungsfälle hinzugekommen, die sich bei dem Mädchen angesteckt haben.

Das Ministerium bittet in diesem Zusammenhang nochmals um Beachtung der rechtlichen Grundlagen, dass gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) bereits bei einem Verdacht auf Masern das zuständige Gesundheitsamt informiert werden muss. Die namentliche Meldung muss gemäß § 9 Abs. 3 IfSG unverzüglich erfolgen und spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem zuständigen Gesundheitsamt vorliegen. Dies ist notwendig, damit das Gesundheitsamt schnell reagieren und entsprechende Maßnahmen (z.B. Riegelungsimpfungen) ergreifen kann.

Für die Labordiagnose bei einem ersten Verdachtsfall sollte zusätzlich zur Serologie ein Rachenabstrich an das Nationale Referenzlabor am RKI geschickt werden. Dieses stellt auch Entnahmesets zur Verfügung. Asylsuchenden werden, entsprechend eines Erlasses des Thüringer Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, unverzüglich nach der Ankunft in der Erstaufnahmestelle Gera im Rahmen der Erstuntersuchung Schutzimpfungen angeboten. Oberste Priorität haben dabei Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen.