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Ärzteblatt Thüringen

Neuer Band der Schriftenreihe der Landesärztekammer

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 07/11/2008 11:13:38 AM

Neuer Band der Schriftenreihe der Landesärztekammer – Nationalsozialistische Euthanasie in Thüringen

Unter dem Titel „Menschliche Verantwortung gestern und heute. Beiträge und Reflexionen zum nationalsozialistischen Euthanasie-Geschehen in Thüringen und zur aktuellen Sterbedebatte“ ist ein neuer Band der Schriftenreihe der Landesärztekammer Thüringen erschienen. Der langjährige Präsident der Thüringer Ärztekammer Professor Dr. Eggert Beleites hat die Beiträge herausgegeben. Beleites ist jedoch während der Entstehungszeit des Werkes verstorben. Deshalb sind die Schlußbetrachtungen auch nicht von ihm, sondern vom Bundesärztekammerpräsidenten Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe vollendet worden.

Ausgangspunkt des Bandes ist die Frage, wie in einem „so hochentwickelten europäischen Kultur- und Industrieland“ wie Deutschland staatlich veranlaßte und beaufsichtigte Verbrechen wie die Euthanasie geschehen und wie viele Bürger, darunter auch viele Ärzte, sich daran beteiligen konnten. Die Schwierigkeit, eine Antwort zu finden, zeigte sich, so Eggert Beleites in seinem Vorwort, in Jena bei Bekanntwerden der Verstrickungen des bis dahin angesehenen Kinderarztes und Ordinarius Jussuf Ibrahim in die Euthanasie. Es entbrannte eine heftige Debatte über die weitere Beurteilung der Person und darum, wie man mit diesem „Erbe“ umzugehen habe.




In dem Band „Menschliche Verantwortung“ wird der Versuch einer Klärung der Frage unternommen, indem der komplexe Sachverhalt in vier großen Kapiteln – „Verantwortung im Erinnern“, „Geschichtliche Problemfelder“, „Im Streit um Ibrahim“ und „Sterbehilfe in unserer Zeit“ – aufgearbeitet wird. Die Besonderheit ist hier der interdisziplinäre Ansatz, indem vom Philosophen über den Theologen bis hin zu Historikern und Neuropädiatern das Problem beleuchtet und der Fall Ibrahim in das Gesamtfeld Euthanasie, Ärzte und der Nationalsozialismus in Thüringen, aktuelle Sterbehilfedebatten, aber auch Entwicklungen des Menschenbildes verortet wird. Eine nützliche Zeittafel läßt auch den historisch nicht so bewanderten Leser schnell Orientierung finden.

Dieses durch Quellen umfänglich fundierte Buch soll, so die Intention des Herausgebers, einen weiteren Beitrag zu der schwierigen Diskussion leisten und auch verschiedene Sichten auf das Problem einbeziehen. Beleites war es wichtig, Diskussion aus unterschiedlichen Perspektiven zuzulassen.
Die heutige Position der Ärzteschaft zu ihrer Vergangenheit ist gleich zu Anfang formuliert. Die Thüringer Ärzteschaft bedauert in einer dem Buch vorangestellten Erklärung zutiefst, daß auch in Thüringen Menschen durch Ärzte Leid und Tod erfahren haben.

Das Buch ist bei der Landesärztekammer Thüringen kostenlos zu beziehen. (Bestellung unter 03641/614101!)