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Ärzteblatt Thüringen

Perspektiven für 2008?!

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 01/08/2008 04:48:58 PM

Perspektiven für 2008?!

Editorial des Präsidenten, Dr. Mathias Wesser (Ärztblatt 01/2008)


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zunächst möchte ich Ihnen zum Jahresbeginn meine herzlichen Grüße und alle guten Wünsche für das Jahr 2008 übermitteln.
Titelthema dieses Ärzteblattes sind die Gesundheitssysteme anderer Länder, an denen sich teils ja auch einheimische Politiker mit ihren Vorstellungen orientieren. Insofern können diese Beiträge auch ein Blick in unsere Zukunft sein. Darüber hinaus gibt es auch eine Sicht von außen auf unser Gesundheitswesen, in dem die deutsche Reformwut in Sachen Gesundheit aufs Korn genommen wird. Für 2008 jedoch scheint keine neue große Gesundheitsreform geplant zu sein, einerseits gut, denn die sich ständig ändernden Bedingungen für alle am Gesundheitssystem Beteiligten haben immer wieder Unruhe – dabei handelte es sich leider in den seltensten Fällen um „produktive Unruhe“ – in unsere tägliche Arbeit gebracht. Andererseits haben die Reformen der letzten Jahre die eigentlich gravierenden Probleme wie Unterfinanzierung und schleichende Rationierung nicht beheben können.
Bei allen Änderungen und Neuerungen, die dennoch wieder – auch ohne große Gesundheitsreform – anstehen werden, müssen wir Ärzte uns darauf besinnen, welche Werte und Haltungen wir für uns und unsere Patienten als unveräußerlich betrachten. Dies soll mit dem sogenannten Gesundheitspolitischen Programm der Ärzteschaft, das zur Zeit auf Bundesebene erarbeitet und auf dem Ärztetag in Ulm besprochen und beschlossen werden soll, geschehen. Mit dem Programm soll eine ethische Standortbestimmung in Zeiten der Globalisierung vor völlig neuen Herausforderungen, die sich bei dem bisher gültigen Papier so noch gar nicht abgezeichnet hatten, wie massive Überalterung der Gesellschaft oder Ärztemangel, geleistet werden. Der jetzige Entwurf wendet sich gegen Eingriffe in die ärztliche Selbstverwaltung, Eingriffe in die Therapiefreiheit des Arztes und propagiert das Recht der Patienten auf eine individuelle, nach ihren Bedürfnissen ausgerichtete Behandlung und Betreuung. Darüber hinaus werden die Sicherstellung der wohnortnahen Krankenhausversorgung, die sektorübergreifende Qualitätssicherung ärztlicher Leistungen und die Förderung einer qualitätsgesicherten Prävention favorisiert, ebenso die Einführung des Fehlermanagements und die Überwindung der Sektorgrenzen zwischen ambulant und stationär.








Dies ist sicher nicht alles neu, aber es erscheint mir sehr wichtig, daß wir in Zeiten permanenter Änderungen auf eine solche Standortbestimmung zurückgreifen können. Mir liegt darüber hinaus daran, dieses neue Gesundheitspolitische Programm der Ärzteschaft auf einer breiten Basis zu fundieren. Insofern lade ich Sie herzlich ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Gern senden wir auf Wunsch den Entwurf zu (03641/614101). Er ist auch auf unserer Homepage als Topnachricht einzusehen (www.laek-thueringen.de). Schreiben Sie uns ihre Meinung!
Übrigens werden in einem zweiten Teil des Entwurfs zum Gesundheitspolitischen Programm darüber hinaus Vorschläge zur Finanzierung des Gesundheitswesens unterbreitet. Sollten wir solche Aussagen überhaupt machen oder uns doch lieber aus dieser Diskussion heraushalten? Ich denke, wir brauchen eine vielfältige, natürlich sachliche Diskussion, damit neue Ideen entstehen können. Eine allwissende Ministerin bzw. ein allwissender Gutachterbeirat ist sicher nicht zu erwarten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Perspektiven für 2008 – so hoffe ich – sind für Thüringen freundlich. Dafür wollen sich der Vorstand und ich einsetzen und an den zahlreichen „Baustellen“ – unter anderem Rettungsdienstgesetz, Allgemeinmedizin, Krankenhausplanung oder elektronische Gesundheitskarte – weiterarbeiten.

Ihr
Dr. Mathias Wesser
Präsident der Landesärztekammer


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