Sie befinden sich:
Kontakt
Landesärztekammer Thüringen
Im Semmicht 33
07751 Jena
+49 (0)3641 614-0
+49 (0)3641 614-169
Kontakt
Seitenfunktionen
Ärzteblatt Thüringen

Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Pressemitteilung der Bundesärztekammer

BÄK fordert klare gesetzliche Regelung für Präimplantationsdiagnostik

Berlin, 18.10.2010 – „Im Umgang mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) brauchen wir endlich Rechtssicherheit für die betroffenen Eltern und für die verantwortlichen Ärztinnen und Ärzte. Mit ihrem klaren Bekenntnis für ein Verbot der PID sowie mit ihrer Ankündigung, sich für eine ernsthafte Diskussion des Themas innerhalb der Koalition einsetzen zu wollen, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eine wichtige Initialzündung für eine substantielle gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung über die Möglichkeiten und Grenzen der PID gegeben. Am Ende dieser Debatte müssen klare gesetzliche Regelungen stehen, ob überhaupt, und wenn ja, in welchem Umfang, die PID in Deutschland anwendbar ist, oder nicht“, forderte Dr. Frank Ulrich Montgomery, Vize-Präsident der Bundesärztekammer.

Montgomery hob hervor, dass sich die ablehnende Haltung der Kanzlerin mit der geltenden Beschlusslage des Deutschen Ärztetages deckt. Die Delegierten hatten sich bereits im Jahr 2002 für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen. „So verständlich und beachtenswert der Wunsch von Eltern mit genetischer Vorbelastung auf ein gesundes Kind ist, kann die Präimplantationsdiagnostik nicht als gesellschaftlich akzeptiertes Verfahren zur Lösung des Problems angesehen werden“, heißt es in dem entsprechenden Beschluss des Ärzteparlaments.

Der BÄK-Vize begrüßte, dass der Bundesgerichtshof mit seinem Urteil zur PID im Juli dieses Jahres zumindest für etwas mehr Orientierung für Eltern und Ärzte gesorgt hat. Nach dem Urteil darf die PID nicht zur Erzeugung sogenannter Designer-Babies angewendet werden. „Damit wurde klar gestellt, dass die PID nur bei entsprechend schwerwiegenden Indikationen zur Anwendung kommen darf“, sagte Montgomery. Die Kanzlerin befürchte aber zu Recht, dass es schwierig sei, in der Praxis zwischen schwerer genetischer Krankheit und einem weniger schwerwiegenden Defekt zu unterscheiden. Montgomery lehnte deshalb auch Vorschläge aus der FDP ab, wonach die Bundesärztekammer einen Katalog derjenigen Indikationen ausarbeiten soll, bei denen eine Verwerfung des Embryos zulässig wäre. „Es ist eine Illusion zu glauben, die Anwendung der Methode auf diesem Wege eingrenzen zu können.“

Vertreter von Union und Opposition hatten zudem die Möglichkeit eines Moratoriums im Sinne eines befristeten Verbots der PID in die Diskussion eingebracht. Montgomery bezeichnete ein solches Vorgehen als vorstellbar. „Dies ändert jedoch nichts daran, dass wir ein weitereichendes Fortpflanzungsmedizingesetz brauchen. Ein Moratorium ist deshalb nur dann zielführend, wenn sich der Gesetzgeber gleichzeitig dazu verpflichtet, unter Angabe eines konkreten Zeitrahmens für eine dauerhafte Regelung zu sorgen.“

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Tel.: 030 / 4004 56 700
Fax: 030 / 4004 56 707