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Ärzteblatt Thüringen

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Richtigstellung der Landesärztekammer Thüringen im Fall Rosemarie Albrecht
Richtigstellung der Landesärztekammer Thüringen;
Im Fall Rosemarie Albrecht Stadtroda keine unwesentliche Zwischenstation!
Die heute in den Medien verbreiteten Texte zur Umbenennung der Kinderklinik Jena gehen ebenfalls auf den Fall der unter Euthanasieverdacht stehenden Jenaer Ärztin Professor Rosemarie Albrecht ein. In diesem Zusammenhang entsteht der Eindruck, als ob die Landesärztekammer Thüringen im Wissen um die Euthanasievorwürfe die Tätigkeit Frau Albrechts in Stadtroda als unwesentlich bezeichnet habe. Dem ist nicht so. Zur Klärung des Sachverhalts:
Die Landesärztekammer Thüringen hatte im März 2000 gegenüber einer Anfrage einer dpa-Journalistin, warum in der Laudatio auf Frau Professor Albrecht (Ärzteblatt Thüringen, Heft 3) Stadtroda angesichts des Euthanasieverdachts nicht erwähnt sei, erklärt, daß zu dem Zeitpunkt, als die Laudatio (Mitte Januar) verfaßt wurde, der Ärztekammer die Vorwürfe gegen Frau Albrecht nicht bekannt waren. Wortwörtlich wurde als Antwort auf die Anfrage am 14. 3. 2000 formuliert:
"Zusammenfassend ist festzustellen, daß die Nichterwähnung von Stadtroda in der Laudatio in keinem Zusammenhang mit dem uns erst seit gestern bekannten, konkreten Verdacht hinsichtlich Frau Albrechts steht. Es war eine rein textstrukturelle, inhaltliche Entscheidung. Mit anderen Worten: Angesichts eines 85jährigen Lebens war die Zwischenstation Stadtroda – wie einige andere auch – zu diesem Zeitpunkt für den Autor unwesentlich."
Als die Vorwürfe gegen Frau Albrecht an die Öffentlichkeit kamen, wurde die Bedeutung des Aufenthaltes von Frau Albrecht in Stadtroda selbstverständlich seitens der Ärztekammer anders bewertet. Nur zu diesem Zeitpunkt war das Ärzteblatt Thüringen bereits im Druck bzw. sogar schon erschienen. Darauf bezog sich im übrigen auch die Formulierung des Präsidenten, der hinsichtlich der Gleichzeitigkeit des Erscheinens der Laudatio mit dem Bekanntwerden des Euthanasieverdachts von einer "unglücklichen Parallelität" gesprochen hatte, die von der Ärztekammer nicht beabsichtigt war und auch bedauert wurde, zumal die Ärztekammer bereits im letzten Jahr grundsätzlich zum Problem Ärzteschaft und Nationalsozialismus Stellung bezogen hatte. Dazu erschien folgende Erklärung (Ärzteblatt Thüringen/Heft 11/1999).
Erklärung der Kammerversammlung der Landesärztekammer Thüringen
Die Kammerversammlung der Landesärztekammer Thüringen gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus und bedauert zutiefst, daß Menschen in Thüringen auch durch Ärzte Leid und Tod erfahren haben.
Ärzte haben sowohl gegen Grundwerte ärztlichen Handelns als auch gegen humanitäre Prinzipien verstoßen.
An zwei Opfergruppen soll hier erinnert werden: Zum einen Patienten, die als Häftlinge oder "Geistes-" und "Erbkranke" ärztlichen Maßnahmen im Sinne und nach Maßgaben nationalsozialistischer Herrschaft ausgesetzt waren. Zum anderen die ärztlichen Kollegen, besonders die jüdischen, deren Ausschaltung von ihren Fachkollegen hingenommen oder sogar betrieben wurde.
Das KZ-Buchenwald und die "Kinderfachabteilung" in Stadtroda waren u.a. Stätten ärztlichen Fehlverhaltens in Thüringen.
Die Kammerversammlung der Landesärztekammer Thüringen trauert um die Opfer ärztlich verursachten oder geduldeten Unrechts. Sie sind uns Erinnerung und Mahnung, die Unabhängigkeit der ethischen Normen unseres Berufes über den Zeitgeist zu stellen.