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Ärzteblatt Thüringen

PM 03-06-03

Ärztekammerpräsident Beleites: "Problem Ärztemangel ist auch mit Zahlenspielereien der AOK nicht wegzudiskutieren"
Ärztekammerpräsident Beleites: “Problem Ärztemangel ist auch mit Zahlenspielereien der AOK nicht wegzudiskutieren”

Die Landesärztekammer Thüringen weist die jüngsten Aussagen der AOK (OTZ; TLZ vom 03.06.2003), in Thüringen drohe kein Ärztemangel, mit Entschiedenheit zurück.

“Alle Fakten sprechen dagegen”, so der Präsident der Landesärztekammer Thüringen, Professor Dr. med. Eggert Beleites. Klar ist, daß es nicht in allen Fachgebieten Probleme geben wird, aber in einzelnen Bereichen dafür besonders gravierende. Von den 1258 Thüringer Allgemeinmedizinern werden bis 2010 476 in den Ruhestand gehen. Besonders kritisch sind die Jahre 2005 bis 2008, in denen jährlich durchschnittlich 75 Ärzte ausscheiden. Zur Zeit gibt es in Thüringen aber nur 104 junge Ärzte, die den Facharzt für Allgemeinmedizin anstreben. Die gleiche Situation gilt für die Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, bei denen es überhaupt keinen Nachwuchs gibt.

Die AOK kommt zu ihrem positiven Befund, in dem sie einen Versorgungsgrad mit Ärzten von weniger als 75% in einem Planungsbezirk als Maßstab nimmt. “Simple Schönfärberei”, so der Kommentar von Kammerpräsident Beleites. “Wir spüren jetzt schon die Probleme, die der Ärztemangel verursacht: Gemeinden bitten uns um Hilfe, bei der Wiederbesetzung von Arztstellen, Kliniken können ihre Stellen nicht besetzen, Patienten beschweren sich, weil sie lange auf Termine warten müssen, Ärztinnen und Ärzte suchen verzweifelt Nachfolger für ihre Praxen und klagen, daß ihr Arbeitspensum ständig steigt. Unter diesen Umständen, den Ärztemangel zu leugnen, halte ich geradezu für zynisch! Das gleiche gilt übrigens für den Vorschlag, zur Abstellung des Problems mehr Ärzte zu rekrutieren. Daß mittlerweile selbst große Kliniken wie die Charite´ in Berlin Ärzte suchen, ist offensichtlich bisher noch nicht bis zur AOK gedrungen.”

“Wenn wir künftig dieses Versorgungsniveau”, so Beleites, “das die AOK als vertretbar ansieht, wollen, dann müssen wir größere Entfernungen zum nächsten Arzt und erheblich längere Wartezeiten auf einen Termin und beim Arztbesuch in Kauf nehmen. Angesichts der zunehmenden Zahl älterer Menschen mit erhöhter Behandlungsbedürftigkeit, halte ich dies für äußerst problematisch.”