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Ärzteblatt Thüringen

Schlichtungsstelle

Redaktion: Dr. Ulrike Schramm-Häder
Datum: 02/11/2004
Behandlungsfehlerverdacht - Hohe Akzeptanz der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Thüringen
Sind Patienten nach einer ärztlichen Behandlung unzufrieden und glauben, dem Arzt seien bei Diagnostik oder Therapie Fehler unterlaufen, können sie Hilfe von der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen erhalten. Der Schlichtungsstelle mit Sitz in Hannover gehören neun Ärztekammern, darunter auch die Landesärztekammer Thüringen, an. Sie tritt bei Streitigkeiten zwischen Ärzten und Patienten ein, denen Schadenersatzansprüche wegen möglicher fehlerhafter ärztlicher Behandlung zugrunde liegen.

Im Jahr 2003 gingen 377 Anträge aus Thüringen bei der Schlichtungsstelle ein – etwa 50 mehr als im Vorjahr. „Dies“, so der Präsident der Landesärztekammer Thüringen, Professor Dr. med. Eggert Beleites, „zeigt die hohe Akzeptanz, die das Schlichtungsverfahren bei den Betroffenen hat. Die Vorteile für die Patienten liegen auf der Hand. Das Verfahren ist außergerichtlich, kostenfrei, mit einer Durchschnittsdauer von 13 Monaten kürzer als ein Gerichtsverfahren und unabhängig.“

Die Zunahme der Schlichtungsverfahren ist zugleich ein Indiz dafür, daß Patienten immer besser informiert und selbstbewußter in Gesundheitsfragen sind. Sie reagieren heute sensibler auf eine nicht den Vorstellungen entsprechende Therapie oder Diagnostik. Beleites: "Jedoch ist ein ausbleibender Behandlungserfolg noch lange kein Behandlungsfehler."
Auf die Quote der tatsächlichen Behandlungsfehler in Thüringen hat die Zunahme der Schlichtungsverfahren keinen Einfluß gehabt. Sie beträgt mit 75 anerkannten Fällen 20%. Dies entspricht in etwa den vergangenen Jahren, in denen die Zahl zwischen 18% bis 28% schwankte.
Spitzenreiter bei den anerkannten Behandlungsfehlern ist unverändert die Chirurgie mit insgesamt 36 Fällen, davon 20 in der Unfall- sowie 10 in der Allgemein- und Visceralchirurgie, der Rest entfällt auf die Gefäßchirurgie, die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie sowie die Neurochirurgie. Danach kommt die Orthopädie mit 9 Fällen anerkannter Behandlungsfehler. Fehler von Ärzten und Ärztinnen traten u.a. bei der Indikationsstellung, der Auswahl des Operationsverfahrens, der Befundbewertung, bei der Therapie einer Blinddarmentzündung oder durch die Verschiebung einer Bandscheibenoperation auf.

„Die Schlichtungsstelle leistet gute Arbeit“, faßt der Präsident, Professor Beleites, zusammen. „Abgesehen davon, daß es das Beste wäre, es gäbe keine Behandlungsfehler, unterstützt sie das so wichtige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, indem sie als unbhängiges Gremium, außergerichtlich zwischen beiden vermittelt und statt auf Konfrontation, auf Kooperation setzt.“

Weitere Informationen zur Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen:
www.schlichtungsstelle.de oder bei der Landesärztekammer: 03641/614201