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Ärzteblatt Thüringen

Überleben als freier Arzt im Systemwechsel - Stärken Sie die Perspektive der Thüringer Ärztegenossenschaft!

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 03/12/2008 09:41:28 AM

Überleben als freier Arzt im Systemwechsel – Stärken Sie die Perspektive der Thüringer Ärztegenossenschaft!

Editorial des Vorstandsmitgliedes, PD Dr. Kirsten Jung (Ärzteblatt 03/2008)


Daß die Bundesregierung den Systemwechsel im Gesundheitswesen sicher vorantreibt (staatlich kontrollierte Finanzierung per Gesundheitsfonds, hausarztzentrierte Versorgung mit Verengung des Flaschenhalses für den Zugang zu medizinischen Leistungen, Abschaffung des freien Berufes Arzt mit dessen Ersetzung durch den einfacher regulierbaren angestellten, da lohnabhängigen Arzt und billigeres mittleres medizinisches Personal) ist unübersehbar. In diese Zange genommene niedergelassene Ärzte reagieren unterschiedlich: Die Hausärzteverbände in Baden-Württemberg und Bayern halten die Selbstverwaltung als Körperschaft des öffentlichen Rechtes für nicht reformierbar und versuchen einen „sanften“ oder „harten“ Ausstieg. Die Vorstände der KBV und KVen sprechen von einer nötigen Modernisierung. Wie dem auch sei, die Politik hat die Weichen für eine mögliche völlige Zerstückelung des GKV-Vertragssektors gestellt, um die KVen zu schwächen beziehungsweise die derzeitige Verwaltungsform in Perspektive abzuschaffen.
Die Gründung der Ärztegenossenschaft Thüringen (ägt) im Herbst 2006 durch eine Initiative aus der Vertreterversammlung der KV Thüringen war eine vorausschauende Reaktion auf dieses Szenario, um das Vertragsgeschäft, was politisch gewollt neben den KVen laufen soll, zu koordinieren. Leider haben dies bisher zu wenige Thüringer Ärzte erkannt. Die Starken setzen auf Einzelverträge und picken sich die Rosinen für ihren finanziellen Vorteil aus dem Kuchen des Kollektivvertrages heraus, der damit immer kleiner wird.







Für die Schwachen wird es in ein bis zwei Jahren das böse Erwachen geben, wenn sie bemerken, daß ihr regelmäßig überwiesenes Honorar von der KV auf 50 – 80 Prozent des jetzigen abgeschmolzen ist. Damit kommt es zu unvorhersehbaren Verschiebungen in der Patientenversorgung beziehungsweise -unterversorgung. Wenn Sie wollen, daß additive Verträge, die dies verhindern könnten, durch die Ärztegenossenschaft geordnet und in Kooperation mit der KV auf den Weg gebracht werden sollen, dann werden Sie jetzt Mitglied der ägt. Deren Eintragung konnte leider erst Anfang 2008 abgeschlossen werden. Damit ist endlich der administrative Weg frei, neben der von einem Status des körperlichen Rechtes unabhängigen politischen Vertretung, der Funktion einer Dienstleistungsgesellschaft auch die Honorar-Interessen, die die KV aufgrund der politischen Weichenstellung nicht mehr leisten kann, wahrzunehmen. Eine Chance, in Zukunft weiter selbstbestimmt und freiberuflich zu arbeiten, wird sonst vertan. Die sich bisher ehrenamtlich engagierenden Kolleginnen und Kollegen können nicht bis zum Erschöpfungssyndrom für eine derzeit nur Handvoll erkennender Ärzte auf Dauer „Kassandra“ sein.

PD Dr. med. habil. Kirsten Jung
Mitglied des Vorstandes der Landesärztekammer
Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung
Aufsichtsratsmitglied der ägt

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