Sie befinden sich:
Kontakt
Landesärztekammer Thüringen
Im Semmicht 33
07751 Jena
+49 (0)3641 614-0
+49 (0)3641 614-169
Kontakt
Seitenfunktionen
Ärzteblatt Thüringen

Versorgungskrise

Redaktion: Ulrike Schramm-Häder
Datum: 09/25/2007 02:46:37 PM


Versorgungskrise abwenden - Weiterbildung absichern
Bundesärztekammerpräsident fordert zusätzliche Mittel für Facharzt-Spezialisierung


Wenn die ärztliche Weiterbildung finanziell weiter so ausblutet, dann können wir den Facharztstandard nicht mehr halten und dann wird es zu einer handfesten Versorgungs­krise in Deutschland kommen, warnte Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. Schon jetzt ist ein zunehmender Ärztemangel insbesondere in Ostdeutschland zu verzeichnen, aber auch in Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind negative Entwicklungen inzwischen unübersehbar. Die Mehrzahl der niedergelassenen Fachärzte für Allgemeinmedizin ist über 50 Jahre alt. Nachwuchs in ausreichender Zahl ist nicht in Sicht: Viele Hausärzte finden schon heute keinen Nachfolger für ihre Praxis, so Hoppe. Schuld an dem Nachwuchsmangel seien die enorme Arbeitsbelastung, die ausufernde Bürokratie, die geringen Einkommenserwartungen, vor allem aber auch die mangelnden Angebote für eine Weiterbildung zum Facharzt.

Bis zum Jahr 2010 werden bundesweit 40.000, bis zum Jahr 2015 ca. 75.000 der derzeit tätigen Ärztinnen und Ärzte in Ruhestand gehen, davon allein ca. 23.500 Vertragsärzte in den ostdeutschen Bundesländern. Mit den heutigen Stellenkapazitäten kann der wachsende Bedarf an ärztlicher Versorgung in einer alternden Gesellschaft nicht gedeckt werden. Zusätzliche Stellen lassen sich aber nicht mehr über die begrenzten Mittel der Krankenhäuser finanzieren. Wir brauchen hier dringend ein Umdenken, sonst wird der Ärztemangel dramatische Formen annehmen, mahnte Hoppe.






In der Fallpauschalenvergütung der Krankenhäuser seien die Weiterbildungskosten nur unzureichend abgebildet. Diese faktische Unterfinanzierung führt dazu, daß zunehmend mehr Krankenhäuser auf die Fortführung der Weiterbildung verzichten und nach bereits fertigen Fachärzten Ausschau halten. Deshalb fordern wir Bund und Länder auf, gemeinsam mit der Bundesärztekammer eine über das Fallpauschalensystem hinausgehende Finanzierung von ärztlicher Weiterbildung zu entwickeln und verbindlich vorzusehen, sagte Hoppe.

Zugleich müsse das mit dem so genannten GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz beschlossene Sonderopfer der Krankenhäuser ersatzlos gestrichen werden. Angesichts der ohnehin schwierigen Situation vieler Kliniken und der verbesserten Finanzlage der Krankenkassen sei der Sanierungsbeitrag von mehreren Hundert Millionen Euro im Jahr absolut ungerechtfertigt.

Berlin, 24. September 2007