Neue Weiterbildungsordnung – Wann kommt sie und was erwartet uns?

Nach der Verabschiedung der Gesamt-Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) für Ärztinnen und Ärzte durch den Vorstand der Bundesärztekammer im November 2018 ging der Auftrag an die Länder, diese Novelle in das jeweilige Landesrecht umzusetzen. Seit Anfang 2019 widmete sich der Weiterbildungsausschuss der Landesärztekammer Thüringen intensiv dieser Aufgabe. Weiterhin wurde zur Koordination der Umsetzung sowie der Bearbeitung weiterer damit verbundener Themen die „Projektgruppe neue Weiterbildungsordnung“ von der Landesärztekammer Thüringen gegründet. Nach nun über einem Jahr Arbeit ist die Novellierung abgeschlossen und ein Entwurf der Thüringer Weiterbildungsordnung konnte erarbeitet werden. Dieser Entwurf wurde am 04.03.2020 von der Kammerversammlung der Landesärztekammer Thüringen beschlossen und anschließend vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie genehmigt. Die neue Thüringer Weiterbildungsordnung wird somit am 01.07.2020 in Kraft treten.

Ab 1. Juli 2020 gilt die neue Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer Thüringen. Aufgrund ihres Umfangs wird diese ausschließlich in elektronischer Form auf der Website der Kammer (www.laek-thueringen.de) veröffentlicht. Es gibt jedoch die Möglichkeit, einen Ausdruck in Papierform zu bestellen (Ansprechpartner: Frau Hübner-Knoch, Tel.: 03641 614 - 111 oder per E-Mail: huebner-knoch@laek-thueringen.de).

Die gesetzliche Grundlage für die Möglichkeit der ausschließlich elektronischen Veröffentlichung bildet das Thüringer Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung (Thüringer E-Government-Gesetz - ThürEGovG -) vom 10. Mai 2018 (GVBl. 2018, 212, 294), zuletzt geändert durch Artikel 4 des Gesetzes vom 30. Juli 2019 (GVBl. 2019, S. 312, 314), wonach § 25 (Amtliche Mitteilungs- und Verkündungsblätter) besagt: „(1) Eine durch Rechtsvorschrift des Landes bestimmte Pflicht zur Veröffentlichung in einem amtlichen Mitteilungs- oder Verkündungsblatt des Landes kann ausschließlich durch eine elektronische Ausgabe erfüllt werden, wenn diese über öffentlich zugängliche Netze angeboten wird. Satz 1 gilt nicht für das Gesetz- und Verordnungsblatt für den Freistaat Thüringen. (2) Jede Person muss einen angemessenen Zugang zu der Publikation haben. Gibt es nur eine elektronische Ausgabe, ist dies in öffentlich zugänglichen Netzen auf geeignete Weise bekannt zu machen. Es ist sicherzustellen, dass die publizierten Inhalte allgemein und dauerhaft zugänglich sind und eine Veränderung des Inhalts ausgeschlossen ist. … Gibt es nur eine elektronische Ausgabe … muss die Möglichkeit bestehen, Ausdrucke zu bestellen oder in öffentlichen Einrichtungen auf die Publikation zuzugreifen.“.

Als der Vorstand der Bundesärztekammer im November 2018 einstimmig die Gesamtnovelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) beschlossen hatte, lagen sechs Jahre angestrengter Arbeit mit zahlreichen Gremiensitzungen, Beratungen, Einbeziehung von Fachverbänden und vielen Diskussionen und Beschlüssen auf dem Deutschen Ärztetag hinter dieser Entscheidung. Begonnen hatte der Prozess der Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung bereits 2012 mit einem Beschluss des Deutschen Ärztetages in Nürnberg. 2018 hatte der Deutsche Ärztetag in Erfurt – bis dahin war die Novellierung alljährlich kritisch diskutiertes Thema der Ärztetage gewesen – die Grundzüge der Weiterbildungsordnung beschlossen und die Entscheidung des Vorstandes der Bundesärztekammer im November 2018 mit vorbereitet.

Breite Beteiligung von Fach- und Berufsverbänden – transparentes Vorgehen

Verschiedene Gründe haben und hatten zur Novellierung der MWBO geführt. Dazu gehörten neben der rasanten Entwicklung der Medizin auch veränderte Versorgungsrealitäten wie die sektorenübergreifende Versorgung oder die Zentrenbildung ebenso wie die für uns tagtäglich spürbaren wachsenden Anforderungen an unsere individuellen Kompetenzen. Nicht zuletzt haben Anregungen von Fach- und Berufsverbänden sowie die Ergebnisse der Befragung „Evaluation der Weiterbildung“ maßgeblich mit den Schub in Richtung einer Neuausrichtung der MWBO gegeben. Man kann sagen, dass noch nie eine Novellierung einer grundlegenden Ordnung mit einer so breiten Beteiligung uns so transparent über die Plattform WIKI-BÄK geschultert worden ist. In Abstimmung mit den Wissenschaftlich-Medizinischen Fachgesellschaften und den Berufsverbänden haben Landesärztekammern und Bundesärztekammer – Ehrenamtler und Hauptamtler – die fachlichen Anforderungen und die didaktische Ausrichtung der neuen MWBO erarbeitet.

Kompetenzbasierte Weiterbildung

Ziel der Gesamt-Novelle der MWBO war eine kompetenzbasierte Weiterbildung zur Verbesserung der Weiterbildungsqualität. „Inhalte statt Zeiten“ lautet hier das Schlagwort, und die zu erlernenden Kompetenzen sind quasi das Herzstück der neuen MWBO. Geprägt ist die neue MWBO von inhaltlichen und strukturellen Änderungen. So wurden die Präambel überarbeitet, die Ziel und Zweck der fachärztlichen Weiterbildung definiert, und die rechtlichen Vorgaben im Paragraphenteil sowie die allgemeinen Inhalte der Weiterbildung, die in gebietsspezifischer Ausprägung obligater Bestandteil jeder Facharztweiterbildung sind. Gleichfalls wurden die spezifischen Inhalte der Facharzt-, Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen dem aktuellen Stand der Wissenschaft und der Versorgungsrealität angepasst. Hinsichtlich der strukturellen Neuerung geht es im Kern um die zweiteilige Gliederung der Weiterbildungsmodi: die Kognitive und Methodenkompetenz (Kenntnisse) und die Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten). Die Beurteilung des Weiterbildungsstandes erfolgt in zwei Stufen: zum einen geht es um Inhalte, die der Weiterzubildende zu beschreiben hat und Inhalte, die der Weiterzubildende systematisch einordnen und erklären soll, zum anderen bei den „Handlungskompetenzen“ Inhalte, die der Weiterzubildende unter Anleitung zu erfüllen hat und solche, die der Weiterzubildende selbstverantwortlich durchführt. Hierdurch wird die Weiterbildung strukturierter und transparenter.

Flexibilisierung und Digitalisierung

Weiterhin zeichnet sich die neue MWBO durch ihre Zielgruppenorientiertheit aus und berücksichtigt maßgebliche Forderungen der neuen Ärztegeneration. Unter dem Stichwort Flexibilisierung können die Möglichkeiten zur berufsbegleitenden Weiterbildung, die Stärkung der ambulanten Weiterbildung und Erleichterung von Rotationen zusammengefasst werden, mit dem Schlagwort Digitalisierung die künftige kontinuierliche Dokumentation der Weiterbildung im elektronischen Logbuch.

Weiterbildungsbefugte im Blick

Im Blickfeld der neuen Weiterbildungsordnung liegt aber nicht nur die Verbesserung der Qualität der ärztlichen Weiterbildung, sondern auch die Stärkung der Rolle und der Verantwortung des Weiterbildungsbefugten. Dazu dienen u. a. die Train-the-trainer-Seminare, in denen die Weiterbildungsbefugten besser auf ihre Rolle als Weiterbilder vorbereitet werden. In Thüringen hat die Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung bereits schon mehrere dieser Seminare erfolgreich angeboten.

Beschluss der MWBO – was heißt das für die Landesärztekammer

Die MWBO ist die Grundlage für die rechtlich verbindlichen Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern und muss von diesen in Landesrecht überführt werden. Damit haben der Vorstand und der Weiterbildungsausschuss der Landesärztekammer mit der zuständigen ärztlichen Geschäftsführerin, Dr. Christiane Becker sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Abteilung Weiterbildung zu Beginn des Jahres 2019 unmittelbar begonnen. Zugleich wurde eine Projektgruppe für die Umsetzung der MWBO unter Leitung von Dr. Nadja Ehrsam etabliert. Bei der Novellierung galt es abzuwägen, inwieweit eine möglichst bundesweit einheitliche MWBO in Thüringen umgesetzt werden sollte oder Thüringer Besonderheiten in der Weiterbildungsordnung ihren Niederschlag fänden. Es gab wesentliche Anhaltspunkte zu berücksichtigen, so das Thüringer Heilberufegesetz und entsprechende Anträge von Berufs- und Fachverbänden. Auf der Basis dieser Anträge wurde ein Entwurf der Thüringer Weiterbildungsordnung erarbeitet. Die Arbeit aller Beteiligten an dieser Novellierung kann als harmonisch, pragmatisch und sachorientiert beschrieben werden. Zu keinem Zeitpunkt traten gravierende Diskrepanzen in der Gremienarbeit zutage, so dass der finalisierte Entwurf abschließend von der Kammerversammlung am 04.03.2020 beschlossen und im Anschluss vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie genehmigt werden konnte.

Kopfteil

Jede Gebietsbezeichnung bzw. Zusatz-Bezeichnung beginnt mit einem strukturell immer gleich aufgebauten Kopfteil. Für die Facharztgebiete erfolgt hier jeweils eine Gebietsdefinition und Beschreibung der Weiterbildungszeit.

Auszug aus der MWBO Abschnitt B Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen »

Bei den Zusatz-Weiterbildungen findet sich im Kopfteil ebenfalls eine allgemeine Definition. Weiterhin wird hier eine Mindestanforderung formuliert. Dieser ist u.a. zu entnehmen, wer Zugangsberechtigt für diese Zusatzweiterbildung ist.

Auszug aus der MWBO Abschnitt C Zusatz-Weiterbildungen »

Weiterbildungsinhalte der Facharzt-Kompetenz/ Zusatz-Weiterbildung

Im Anschluss an den Kopfteil werden die geforderten Weiterbildungsinhalte in tabellarischer Form erfasst. Zunächst folgt jedoch immer der Verweis auf die „Allgemeinen Inhalte der Weiterbildung für Abschnitt B unter Berücksichtigung gebietsspezifischer Ausprägung“ (*). Diese Inhalte finden sich am Anfang von Abschnittes B und beinhalten allgemeine Kompetenzen, die jeder Weiterbildungsassistent unabhängig seiner Fachrichtung erwerben muss. Darunter fallen z.B. Hygienemaßnahmen, die Ärztliche Leichenschau, Indikationsstellung und Befundinterpretation des Krankheitsbezogenen Basislabor. In der darauffolgenden Tabelle beschreibt die linke Seite die Kompetenzen die der Weiterbildungsassistent „kennen“ muss und die mittlere jene, die er „können“ muss. Die einzelnen Kompetenzen werden dabei in Kompetenzblöcke eingeteilt. Der ganz rechten Spalte sind, sofern gefordert, Richtzahlen zu entnehmen. Die Struktur für die Zusatz-Weiterbildungen ist ähnlich aufgebaut.

(*) Zur Vermittlung dieser auch in der aktuell gültigen Weiterbildungsordnung geforderten allgemeinen Inhalte bietet die Landesärztekammer neu ein „Curriculum für Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung“ an. Hier werden immer in zwei Veranstaltungen im Jahr, welche unabhängig voneinander besucht werden können, kompakt die allgemeinen Inhalte des 1. und 2. Weiterbildungsjahres vermittelt.

Auszug aus der MWBO Abschnitt B Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen (Umweltmedizin) »

Auszug aus der MWBO Abschnitt C Zusatz-Weiterbildungen (Andrologie) »

Mit dem Elektronischen Logbuch (eLogbuch) soll eine kontinuierliche Dokumentation der Weiterbildung ermöglicht werden. Dabei liegt das Nachhalten der Dokumentationen im eLogbuch in der Verantwortung und in der Hoheit der in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte. Die Aufgabe der Weiterbildungsbefugten/-ermächtigten ist es, den Weiterzubildenden den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in den Rubriken „Kognitive und Methodenkompetenz“ bzw. „Handlungskompetenz“ sowie die erreichte Anzahl nachzuweisender Richtzahlen und die zu dokumentierenden Weiterbildungsgespräche über das eLogbuch zu bestätigen. Wer Zugriff auf die Daten des eLogbuchs hat, entscheidet ausschließlich der Arzt bzw. die Ärztin in Weiterbildung. Sowohl der Weiterbildungsbefugte/Weiterbildungsermächtigte als auch die Landesärztekammer sehen nur die Inhalte, welche der Weiterzubildende vorher explizit freigegeben hat. So bleibt dieser Herr über seine Daten.

Nutzung des eLogbuchs über Serviceportal meinelaekthuer.de

Ab Inkrafttreten der neuen Thüringer Weiterbildungsordnung am 01.07.2020 ist für diese das eLogbuch zur führen. Die Landesärztekammer Thüringen plant die Nutzung des eLogbuchs direkt über das Serviceportal meinelaekthuer.de. Eine gemeinsame Anmeldung über den Portalzugang ermöglicht es sowohl den Weiterzubildenden als auch den Weiterbildungsbefugten/Weiterbildungsermächtigten das eLogbuch ohne zusätzliche Anmeldedaten zu nutzen.

Betrieb

Betrieben wird die eLogbuch-Webanwendung durch die Bundesärztekammer. Sie stellt die aus Hard- und Software bestehende Infrastruktur zur Verfügung und ermöglicht der mit der Softwareentwicklung beauftragten Firma Steadforce die Konfiguration und Wartung der eLogbuch-Webanwendung. Die erforderliche Infrastruktur wird von der Firma Cronon AG, ein Tochterunternehmen der Firma Strato AG (Hoster) bereitgestellt und betrieben.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Mit Inkrafttreten der neuen Thüringer WBO am 01.07.2020 wird das eLogbuch verpflichtend eingeführt.
  • Das eLogbuch kann nur für die Weiterbildung unter der neuen WBO geführt werden - laufende Weiterbildungen unter der aktuellen WBO 2011 müssen weiterhin in Papierform geführt werden.
  • Die Nutzung des eLogbuchs erfolgt zukünftig über das Serviceportal meinelaekthuer.de der Landesärztekammer Thüringen – der Service wird zurzeit eingerichtet, vor Einführung des eLogbuchs werden alle Weiterbildungsleiter rechtzeitig nochmals schriftlich darüber informiert.

Die völlige Neuausrichtung und Neustrukturierung der Weiterbildungsordnung (WBO), in der insbesondere die allgemeinen und speziellen Weiterbildungsinhalte überarbeitet und aktualisiert wurden, erfordert es dementsprechend neue Ermächtigungen für diese kompetenzbasierte Weiterbildung zu erteilen. Zudem wird künftig mit der neuen Weiterbildungsordnung die Verantwortung des Weiterbildungsleiters für eine qualitätsgesicherte Weiterbildung gestärkt. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Thüringer Weiterbildungsordnung am 01.07.2020 ist die sofortige Initiierung der Antragstellung, grundsätzlich geplant in elektronischer Form, bei den bisherigen Weiterbildungsleitern vorgesehen. Die Anträge hierfür befinden sich zurzeit in Bearbeitung und stehen voraussichtlich ab Juni 2020 zur Verfügung. Alle Weiterzubildenden, welche nach Inkrafttreten der neuen WBO beginnen, müssen nach dieser die Weiterbildung absolvieren. Damit dies gewährleistet ist, müssen die neuen Ermächtigungen jeweils schnellstmöglich beantragt und erteilt werden. Dies gilt auch für Weiterzubildende, welche ihre bereits begonnene Weiterbildung nach neuer Weiterbildungsordnung fortsetzen wollen. Die Ermächtigungen nach der bisherigen Weiterbildungsordnung gelten fort, da eine begonnene Weiterbildung unter dieser in einer Übergangsfrist von sieben Jahren für die Facharztgebiete und jeweils drei Jahren für die Teilgebiete und Zusatz-Weiterbildungen beendet werden darf.

Grundstruktur der Ermächtigung

Auf Ebene der Bundesärztekammer wurden in einer Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus den Landesärztekammern zur Vereinfachung und Vereinheitlichung des Verwaltungshandelns allgemeine Kriterien erarbeitet.

  • Die Ermächtigung soll vorrangig anhand von Kompetenzen und weiterhin nach Zeiten erfolgen.  
  • Zur Ermittlung des Umfangs sollen die vermittelbaren Kompetenzen im Antrag bis auf Spiegelstrichebene abgefragt und in der Ermächtigung dementsprechend aufgeführt werden.  
  • Diese sollen auch für den Weiterzubildenden später veröffentlicht werden. Die Form ist noch offen, es gibt dazu Überlegungen hinsichtlich einer Ermächtigtendatenbank.  
  • Zur Bemessung des Umfangs sollen von Fachberatern festgelegte Kriterien zugrunde gelegt werden, um nachvollziehbar und einheitlich zu ermächtigen.

 
Unabhängig davon soll in Thüringen eine verkürzte Antragstellung bei einem Umfang von 12 Monaten im stationären und ambulanten Bereich/Rehabilitationswesen ermöglicht werden. Die grundlegenden Voraussetzungen, welche weiterhin in § 5 der Weiterbildungsordnung geregelt sind, gelten fort. Dies sind insbesondere das Führen der Bezeichnung (Facharzt, Teilgebiet, Zusatzbezeichnung) für die beantragte Weiterbildungsermächtigung, mehrjährige Tätigkeit nach Abschluss der entsprechenden Weiterbildung und die persönliche Eignung (keine berufsrechtlichen Verfehlungen).

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Aktuelle Ermächtigungen für die WBO 2011 bleiben für eine Übergangsfrist von 3 bzw. 7 Jahren gültig und laufen dann aus.
  • Für die neue Thüringer WBO müssen neue Ermächtigungen ab Inkrafttreten am 01.07.2020 beantragt werden.
  • Die Anträge stehen voraussichtlich ab Juni zur Verfügung, alle Weiterbildungsleiter werden rechtzeitig nochmals schriftlich darüber informiert
  • Es ist zunächst ausreichend, fristgerecht zum 01.07.2020 mindestens den Rumpfantrag einzureichen. Nachweise können auch später nachgereicht werden.

Auch die neue Weiterbildungsordnung kommt nicht ohne rechtliche Regelungen aus. Die Kammerjuristen der unterschiedlichen Ärztekammern waren sich bei der Überarbeitung des Paragrafenteils aber einig, dass nur absolut notwendige Änderungen vorgenommen werden sollten. Hintergrund dafür ist, dass die übergeordneten Heilberufegesetze der einzelnen Bundesländer den rechtlichen Rahmen für die Weiterbildungsordnung bilden und deren Änderung in aller Regel mehrere Jahre dauert. Größere Änderungen wären daher hinderlich.

Zunächst werden in den Begriffsbestimmungen des § 2a wesentliche Begriffe wie „Kompetenz“, teils neu hinzugekommene wie das „elektronische Logbuch“ und „fachlich empfohlener Weiterbildungsplan“ erläutert.

Bei den verwendeten Begrifflichkeiten weicht Thüringen in einigen Details von der Musterweiterbildungsordnung ab. Dies ist Folge der Vorgaben aus dem Thüringer Heilberufegesetz. So wird zum Beispiel die „Weiterbildungsbefugnis“ in Thüringen „Weiterbildungsermächtigung“ genannt. „Schwerpunkte“ werden zu „Teilgebieten“. Inhaltlich sind damit jedoch keine Änderungen verbunden. Das Gesetz gibt derzeit jedoch auch noch andere Vorgaben. So muss eine anrechenbare Teilzeitweiterbildung mindestens mit der Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit geleistet werden. Das sind in Thüringen 19 Stunden pro Woche. Neu ist die zeitliche Untergrenze der anrechenbaren Weiterbildungsabschnitte. Die MWBO sieht eine Mindestdauer von 3 Monaten für einen anrechenbaren Abschnitt vor. Diese Untergrenze wird in Thüringen mit der neuen Weiterbildungsordnung ebenfalls eingeführt, so dass zukünftig schon 3-Monatsabschnitte statt der bisherigen 6-Monatsabschnitte anerkannt werden können.

Sogenannte „versenkbare Zeiten“, d. h. die Anrechnung von Zeiten aus einer vorgehenden Weiterbildung, gibt es nicht mehr.  Weiterbildungszeiten für Teilgebiete und Zusatz-Weiterbildungen sind daher immer zusätzlich zur Facharztweiterbildung zu absolvieren. Jedoch können spezielle fachliche Kompetenzen, die zum Beispiel während einer Facharztweiterbildung „on top“ erworben wurden, grundsätzlich für den inhaltlichen Kompetenzerwerb in einem Teilgebiet oder einer Zusatzbezeichnung angerechnet werden.
Zu beachten ist außerdem, dass ein nachfolgender Weiterbildungsgang zeitlich anrechenbar erst dann beginnen kann, wenn die Anerkennung (Urkunde) in dem vorgehenden Weiterbildungsgang durch die Ärztekammer erteilt wurde.

Wichtig für die Inhaber bisheriger Bezeichnungen und für die in Weiterbildung befindlichen Kollegen sind auch die Übergangsbestimmungen. Nachfolgend die wichtigsten Regelungen:

  1. Die nach bisher geltenden Weiterbildungsordnungen erworbenen Bezeichnungen behalten ihre Gültigkeit.
  2. Viele Weiterbildungsbezeichnungen haben sich über die Jahre sprachlich verändert. Bei diesen wird es bei dem jeweiligen Gebiet, Teilgebiet oder der Zusatz-Weiterbildung spezielle Übergangsbestimmungen zur Führung der aktuellen Form geben. Die betrifft z.B. die Plastische und Ästhetische Chirurgie, deren Bezeichnung sich nun in „Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie“ ändert.  Eine Beantragung der Führung der veränderten Bezeichnung ist nicht notwendig. Neue Urkunden werden nicht ausgestellt.
  3. Kammerangehörige, die sich bei Inkrafttreten der neuen Weiterbildungsordnung in einer Facharztweiterbildung befinden, können diese innerhalb einer Frist von sieben Jahren nach den Regelungen der bisher gültigen Weiterbildungsordnung abschließen und die Zulassung zur Prüfung beantragen.
    Für Teilgebiete und Zusatz-Weiterbildungen gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren.
  4. Für neu aufgenommene Weiterbildungsbezeichnungen wird es differenzierte Regelungen geben.
     

Einige Bezeichnungen können aufgrund des Nachweises einer regelmäßigen Tätigkeit mit Aneignung der notwendigen Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in dem Gebiet, Teilgebiet, oder der jeweiligen Zusatz-Weiterbildung (innerhalb der letzten acht Jahre) nach § 20 Absatz 7 Thüringer Weiterbildungsordnung erlangt werden. Dies trifft z.B. auf die Zusatz-Weiterbildungen Immunologie und Transplantationsmedizin zu. Anträge auf Zulassung zur Prüfung sind innerhalb einer Frist von drei Jahren nach Inkrafttreten der neuen Weiterbildungsordnung zu stellen. Dabei können auch Tätigkeitsabschnitte innerhalb dieser Frist berücksichtigt werden.
Für andere Bezeichnungen wird die o. g. Regelung ausgeschlossen werden. Die Inhalte verschiedener Zusatz-Weiterbildungsbezeichnungen wie z.B. Ernährungsmedizin, Balneologie und Medizinische Klimatologie und Sexualmedizin werden ausschließlich über Kurse und Fallseminare vermittelt. Hier bedarf es der oben genannten Übergangsregelung nicht. Eine erfolgreiche Prüfung wird auch hier die Voraussetzung zur Erteilung der Anerkennung sein.

Weiterbildungsordnung

Die Weiterbildungsordnung (WBO) regelt die ärztliche Weiterbildung. Sie wird von der jeweiligen Landesärztekammer erstellt. Sie ist hierbei weites gehend an die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer angelehnt, die vom Deutschen Ärztetag verabschiedet wird und einen empfehlenden Charakter besitzt. Für jeden Arzt/jede Ärztin ist immer nur die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer rechtsverbindlich, deren Mitglied er/sie ist.

Weiterbildungsbefugnis

Die Befugnis zur Weiterbildung wird dem Weiterbildungsleiter erteilt. Er muss die Bezeichnung führen, fachlich und persönlich geeignet sein und eine mehrjährige Tätigkeit nach Abschluss der entsprechenden Weiterbildung nachweisen können. Der Befugte Arzt ist verpflichtet, die Weiterbildung persönlich zu leiten sowie diese inhaltlich und zeitlich entsprechend der gültigen Weiterbildungsordnung zu gestalten und die Richtigkeit der Dokumentation der Weiterbildung eines in Weiterbildung befindlichen Arztes zu bestätigen. Die Weiterbildungsbefugnis ist zudem immer an die Zulassung einer Weiterbildungsstätte (s.u.) gekoppelt. Die Zulassung der Weiterbildungsstätte wird in Thüringen durch die Landesärztekammer erteilt. Achtung: Aufgrund des Thüringer Heilberufegesetzes gilt in Thüringen statt der Begrifflichkeit „Befugnis“ die Begrifflichkeit „Ermächtigung“.

Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt beschreibt eine Spezialisierung innerhalb eines Fachgebietes, z.B. Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Kinder-Kardiologie. Die Weiterbildung im Schwerpunkt baut weitestgehend auf die Facharztkompetenz auf und wird ebenfalls in der Weiterbildungsordnung geregelt. Achtung: Aufgrund des Thüringer Heilberufegesetzes gilt in Thüringen statt der Begrifflichkeit „Schwerpunkt“ die Begrifflichkeit „Teilgebiet“.

Zusatzbezeichnung

Die Zusatzbezeichnungen stellen spezielle Qualifikationen dar und können von Ärzten verschiedener Gebiete erworben werden. Sie unterscheiden sich in Weiterbildungsumfang und Voraussetzungen deutlich voneinander und werden in der Weiterbildungsordnung geregelt.

Weiterbildungsstätte

Eine zugelassene Weiterbildungsstätte ist eine Universitäts- oder Hochschulklinik sowie eine hierzu (von der Ärztekammer) zugelassene Einrichtung der ärztlichen Versorgung. Zu den Einrichtungen der ärztlichen Versorgung zählt auch die Praxis eines niedergelassenen Arztes. Eine Weiterbildungsstätte muss insbesondere folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • die für die Weiterbildung typischen Krankheiten müssen nach Zahl und Art der Patienten regelmäßig und häufig genug vorkommen
  • Personal und Ausstattung der Einrichtung müssen den Erfordernissen der medizinischen Entwicklung Rechnung tragen
  • Krankenhausabteilungen müssen eine regelmäßige Konsiliartätigkeit aufweisen
  • die Weiterbildungsdokumentation im Logbuch ermöglichen Verbundermächtigung

 
Mehrere Weiterbildungsleiter übernehmen gemeinsam die Weiterbildung in abgestimmten Abschnitten an verschiedenen Weiterbildungsstätten.  

Gemeinsame Ermächtigung

Mehrere Weiterbildungsleiter übernehmen gemeinsam die Weiterbildung in abgestimmten Abschnitten innerhalb einer Weiterbildungsstätte.

Delegation

Entsenden eines Weiterbildungsassistenten in eine kooperierende Einrichtung zur Erlangung einzelner Kompetenzen, sofern diese selbst nicht vermittelt werden können. Im Rahmen der Delegation ist ein Tätigwerden am Patienten möglich, somit können Handlungskompetenzen erlangt werden. Bei einer Sicherstellung der Delegation in Form eines Vertrages mit der kooperierenden Einrichtung erfolgt kein Abzug im Ermächtigungsumfang für das Fehlen dieser Kompetenzen. Entsprechende Nachweise sind der Kammer bei Antragsstellung vorzulegen.

Hospitation

Besuch einer Einrichtung zum Zuschauen. Die Ausübung ärztlicher Tätigkeit ist hierbei nicht zulässig. Daher stellt eine Hospitation keine Weiterbildung dar und kann als solche nicht anerkannt werden.