Strahlenschutz nach Strahlenschutzverordnung

Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) verlangt, dass Ärzte, die eigenverantwortlich Röntgenstrahlen am lebenden Menschen anwenden oder die dafür rechtfertigende Indikation stellen, die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzen.

Ärzte, die in eigener Niederlassung tätig sind und Röntgenuntersuchungen im Sinne einer Überweisung anfordern, benötigen die Fachkunde im Strahlenschutz nicht. Dabei ist von Bedeutung, dass der um „Mitbehandlung“ gebetene fachkundige Arzt den Patienten sieht und die Indikation zur Röntgenuntersuchung bestätigt.

Niedergelassene Ärzte, die ein Röntgengerät betreiben, oder mit anderen Ärzten gemeinschaftlich nutzen und selbst röntgen, oder medizinisches Hilfspersonal dazu anweisen, müssen im Besitz der Fachkunde sein.

Die Fachkunde im Strahlenschutz kann nur von Personen erworben werden, die als Arzt approbiert oder zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt sind. Die Fachkunde besteht untrennbar aus theoretischem Wissen (Kurse) und praktischen Erfahrungen (Sachkunde im Strahlenschutz). Details zum Erwerb der Fachkunde sind in der „Richtlinie Fachkunde und Kenntnisse im Strahlenschutz bei dem Betrieb von Röntgeneinrichtungen in der Medizin oder Zahnmedizin vom 22. Dezember 2005“, welche am 1. März 2006 in Kraft trat, geregelt. Somit gelten für Ärztinnen und Ärzte, die mit der Sachkundeausbildung nach dem 1. März 2006 begonnen haben, neue Anforderungen.

Strahlenschutzseminar in Thüringen e. V. 
Gustav-Kirchhoff-Str. 2  
98693 Ilmenau
Tel: 03677 691340 oder 03677 692768
Fax: 03677 691347
E-Mail:  anmeldungt@ssstev.de

Der Inhalt der notwendigen Kurse im Strahlenschutz ist durch die Richtlinie vorgeschrieben. Alle Kurse müssen durch die zuständige Stelle (in Thüringen das Landesverwaltungsamt Thüringen) genehmigt sein. Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Kursen ist nachzuweisen.

  • Kenntniskurs nach Anlage 7 Nr. 7.1 der Richtlinie - Dauer mind. acht Stunden, bezogen auf das jeweilige Anwendungsgebiet, davon vier Stunden theoretische Unterweisung (mit Bescheinigung)

 

  • Grundkurs im Strahlenschutz für Ärzte nach Anlage 1 der Richtlinie - Dauer mind. 24 Stunden

 

  • Spezialkurs im Strahlenschutz für Ärzte bei der Untersuchung mit Röntgenstrahlen - Röntgendiagnostik nach Anlage 2 Nr. 2. 1 der Richtlinie - Dauer mind. 20 Stunden - Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Teilnahme am Grundkurs

 

  • Spezialkurs Computertomographie nach Anlage 2 Nr. 2.2 der Richtlinie - Dauer mind. vier Stunden - Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Teilnahme am Spezialkurs Röntgendiagnostik

 

  • Spezialkurs Interventionsradiologie nach Anlage 2 Nr. 2.3 der Richtlinie - Dauer mind. vier Stunden - Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Teilnahme am Spezialkurs Röntgendiagnostik

 

Bei Beantragung der Fachkunde im Strahlenschutz darf die Kursteilnahme an den zum Erwerb der Fachkunde erforderlichen Strahlenschutzkursen nicht länger als fünf Jahre zurückliegen.

Der Sachkundeerwerb kann erst begonnen werden, wenn die hierfür erforderlichen Kenntnisse im Strahlenschutz nachgewiesen sind. Die Sachkunde wird unter Anleitung, ständiger Aufsicht und Verantwortung eines Arztes, der auf dem betreffenden Anwendungsgebiet die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzt, und durch den Nachweis einer ausreichenden Anzahl dokumentierter Untersuchungen und Zeiten (siehe Tabelle) erworben. Zur Erreichung der geforderten Anzahl dokumentierter Untersuchungen sind die drei Elemente der Anwendung von Röntgenstrahlen zur Untersuchung von Menschen, Stellen der rechtfertigenden Indikation, technische Durchführung und Befundung, in angemessener Gewichtung zu berücksichtigen.  Die Anwendungszahlen und Mindestzeiten sind in einem Tätigkeitsbericht aufzuzeichnen und von einem aufsichtsführenden fachkundigen Arzt monatlich zu bestätigen. Der Erwerb der Sachkunde ist durch Zeugnisse nach den in der Richtlinie niedergelegten Gesichtspunkten nachzuweisen.

Anmerkungen

  • Beim Erwerb der Sachkunde nach Spalte 1 Nr. 2 bis 5 reduzieren sich die Mindestzeiten jeweils auf die Hälfte, wenn die Sachkunde ganztägig in einer fachradiologischen Abteilung mit Weiterbildungsberechtigung und dem erforderlichen Leistungsumfang erworben wird.

 

  • Unabhängig davon ist eine Reduzierung der Mindestzeiten bei Erwerb der Sachkunde nach Spalte 1 Nr. 3 in mehr als einem Organsystem möglich, wenn bereits die Fachkunde für ein Anwendungsgebiet erfolgreich erworben worden und die gegebenenfalls erforderliche Aktualisierung nachgewiesen ist. In diesem Fall verkürzt sich die Mindestzeit für jedes weitere Anwendungsgebiet von zwölf auf sechs Monate. Die Anzahl der dokumentierten Untersuchungen verringert sich entsprechend.

 

  • Die Sachkunde in der Computertomographie und für die Anwendung von Röntgenstrahlung bei Interventionen kann parallel zur Röntgendiagnostik eines Organsystems oder Anwendungsgebietes erworben werden, wenn dies ganztägig in einer fachradiologischen Abteilung mit Weiterbildungsberechtigung und dem erforderlichen Leistungsumfang erfolgt.

 

  • Die Sachkunde für die Anwendung von Röntgenstrahlung bei Kindern in einem speziellen Anwendungsgebiet ist in einer röntgendiagnostischen Abteilung mit entsprechendem pädiatrischem Krankengut zu erwerben und durch dokumentierte Untersuchungen nachzuweisen. 

Ärztinnen und Ärzte, die unter ständiger Aufsicht und Verantwortung eines fachkundigen Arztes Röntgenstrahlungen am Menschen anwenden, benötigen keine Fachkunde, sondern den Nachweis über die erforderlichen Kenntnisse im Strahlenschutz. Er wird an Ärztinnen und Ärzte durch den so genannten Kenntniskurs im jeweiligen Anwendungsgebiet (Strahlendiagnostik oder Strahlentherapie) sowie einen praktischen Teil vermittelt. Der praktische Teil der Kenntnisvermittlung im jeweiligen Anwendungsgebiet erfolgt vor Ort durch einen Arzt mit der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz, unter dessen Aufsicht der Arzt bei der Anwendung steht, oder durch eine von diesem beauftragte Person, welche die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzt.

Ebenfalls keine Fachkunde benötigen Ärztinnen und Ärzte, die am Ort der technischen Durchführung in der Teleradiologie tätig sind. Auch hier wird jedoch der Nachweis über die erforderlichen Kenntnisse gefordert, der durch den „Kurs für Ärzte am Ort der technischen Durchführung in der Teleradiologie“ im Umfang von acht Stunden erworben wird. Die praktische Erfahrung ist über zwei Wochen hinweg arbeitstäglich in dem für die Teleradiologie relevanten Anwendungsgebiet zu erwerben und mit einem Zeugnis des fachkundigen Arztes mit Aufführungen der Zahl der durchgeführten Untersuchungen und der Art der Tätigkeit nachzuweisen. Es sollen Erfahrungen insbesondere zu den Abläufen der Röntgenanwendung und der Teleradiologie erworben werden, um den Patienten in Kombination mit den durch den Teleradiologen bereitgestellten Informationen aufklären, den Untersuchungsablauf (einschl. Kontrastmittelgabe) vor Ort überwachen und kurzfristig beeinflussen sowie die teleradiologiespezifischen Komponenten und evtl. notwendigen Ausfallkonzepte einsetzen können.

Die Fachkunde ist 5 Jahre gültig.

Sie muss mindestens alle fünf Jahre durch eine erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen Stelle (Landesverwaltungsamt Thüringen) anerkannten Kurs oder einer anderen von der zuständigen Stelle als geeignet anerkannten Fortbildungsmaßnahme aktualisiert werden.

Die Frist zur Aktualisierung beginnt zunächst mit dem Datum der behördlichen ersten Fachkundebescheinigung und richtet sich in der Folgezeit nach dem Datum des (anerkannten) Aktualisierungskurses. Weitere erteilte Anwendungsgebiete sind Erweiterungen und müssen somit nicht gesondert aktualisiert werden.

Eine nicht fristgerechte Aktualisierung stellt einen Mangel dar, auf den die zuständige Stelle – Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz mit dem Entzug der Fachkunde reagieren kann. Sie kann die Fortgeltung der Fachkunde auch an bestimmte Auflagen, wie beispielsweise die Teilnahme an einem Grundkurs, knüpfen.